Paul  Baldauf

 

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Am 27. März 2018 ist im Verlag Mediatrix mein neues Buch erschienen:

Barbara von Nikomedia

 

Nachfolgend ein kleiner Textauszug:

 

Dioskuros betrat den von zwei Fackeln nur sehr notdürftig erhellten Raum, erkannte eine in einer Ecke kauernde Gestalt und Hoffnung keimte in ihm auf. Wie ich vorausgesehen habe, der Stolz schmolz bald dahin. Nun sitzt sie kleinlaut da, hat sicher längst ihren ungeheuren Irrtum und ihre Schuld eingesehen. Er kam Schritt um Schritt näher, bemerkte, dass sie nicht reagierte. Hat sie mich nicht gehört, schläft sie – fast hätte ich gedacht: Am hellen Tag; doch hier sind Tag und Nacht ja nicht zu unterscheiden. Sie wird geschwächt sein, hat mich deshalb nicht gehört. Dies schadet nicht, dass sie die eigene Schwäche spürt, so wird ihr Dünkel restlos ausgetrieben.

Auf einmal bewegte sich etwas und Dioskuros, dessen Augen sich langsam an die Dunkelheit gewöhnten, erkannte, dass sie sich umdrehte. Wie rede ich sie nun an: Barbara? Tochter? Wie fremd klingt dies auf einmal, und doch bin ich bereit, sie wieder anzunehmen. Er kam nochmals näher, blieb vor ihr stehen, sah auf sie herab. Barbara schaute in seine Richtung, konnte ihn nur undeutlich erkennen. Ihr erschöpft wirkendes Gesicht zeigte kaum eine Regung.

„Ich bin gekommen, um zu hören, dass du den Wahn des Christenglaubens, wie auch dein Gelübde, nicht zu heiraten, widerrufst, zu deinen Pflichten gegen die Götter und mich zurückkehrst. Dann wirst du wieder meine Tochter sein und ich werde über all deiner Schuld einen Mantel des Vergessens ausbreiten. Ich sehe, dass du in dich gingst, denn deine Haltung zeigt es. Komm, widerrufe und gelobe, dass alles wieder so sein wird, wie früher und du wirst sehen, dass ich dich nicht mehr verstoße.“

Barbara sammelte ihre verbliebene Kraft, nahm eine aufrechte Haltung an.

„Ja, ich gelobe…“

„Na also! Ich wusste es, sprich weiter, du wirst sehen, es ist nicht schwer.“

„Ich gelobe, dass ich meinem christlichen Glauben treu bleiben und niemals heiraten werde und denen, die du „Götter nennst“, gelobe ich: Verachtung, denn sie sind nichtig, Menschenwerk.“

Dioskuros, außer sich vor neu aufflammendem Zorn und Empörung, tobte mit dröhnender Stimme:

„Du wagst es, weiterhin mir frech die Stirn zu bieten und – was unendlich schlimmer ist – die Götter herauszufordern! Vorbei, vorbei mit meiner Geduld, nun lernst du mich von einer anderen Seite kennen. Du selbst, du zeigst mit deinem Trotz, dass du nicht anders behandelt werden willst.“

Er beugte sich rasch zu ihr, packte sie, zog sie hoch, drängte sie voran, stieß und schleppte sie unter Ausrufen hilfloser Wut und tiefen Schmerzes, die Treppen hoch, hinaus ins Freie und bis vor den Thron des Richters Marcianus.

 

 


 

 

Am 23. März 2018 ist im Knecht Verlag, Landau / Pfalz mein neues Buch erschienen:

Der Sohn des Verderbens

 

Nachfolgend ein kleiner Textauszug:

 

Über der altehrwürdigen Stadt Speyer brachen schwere Regenfälle herein. Während sich der Himmel verdüsterte, zuckten erste Blitze auf, die von starkem Donner gefolgt waren. Frau Morgur, von einem Besuch bei Freundinnen zurückgekehrt, schaffte es gerade noch, sich vor dem starken Regen in Sicherheit zu bringen. Die plötzliche Erkrankung ihres Mannes beachtete sie zunächst kaum. Mittlerweile aber gab sie ihr zu denken. Wo sollte das hinführen? Zu ihrer Erleichterung stellte sie fest, dass er keine Anstalten machte, in die Küche zu kommen. So stellte sie ihm das Essen einfach und ohne Ankündigung vor die Tür. Als sie nun die Diele betrat, fiel ihr ein, dass sie ihm noch gar kein Abendessen hingestellt hatte. Sie ging in die Küche, füllte einen Teller und stieg langsam die Treppe empor.

Draußen stürzten Regenmassen hinab, Regen trommelte gegen Fensterscheiben, fiel über Dächer her, peitschte Gassen und Straßenzüge, trieb schirmlose Passanten vor sich her. Sie stieg langsam weiter nach oben und setzte vorsichtig Schritt um Schritt auf. Sie wollte vermeiden, dass er sie höre. Als sie auf halber Höhe angekommen war, zuckten erneut Blitze auf. Ohrenbetäubende Donner folgten. Sie zuckte zusammen. Wieder spürte sie, wie ihre aus Erlebnissen in der Kindheit gespeiste Angst vor dem Gewitter rasch stärker wurde und die Oberhand bekam. Sie presste sich gegen die Wand und fühlte sich unfähig, weiter zu gehen. Nur noch sieben Stufen. Wieder zuckten Blitze auf. Ihre Angst hatte sie voll im Griff. Als es donnerte, presste sie eine Hand gegen ihren Mund, um nicht zu schreien. Soll ich zurückgehen? Nein, ich bin schon so weit oben, das macht keinen Sinn. Sie hob den schon abgestellten Teller wieder auf. Wäre ich doch bei meiner Freundin geblieben... Ein furchtbarer Donnerschlag riss sie aus ihren Gedanken. Unweit musste der Blitz eingeschlagen haben. Sie lauschte, wartete und Minuten später hörte sie bereits Signale der Feuerwehr. Vorsichtig setzte sie wieder einen Schritt vor den anderen. Nur nichts verschütten…Wie unheimlich, diese Stille in dem alten und viel zu großen Haus und draußen die starke Geräuschkulisse von Regen, Wind und Gewitter. Als sie nur noch zwei Treppenstufen vom Flur trennten, der unmittelbar zum ’Arbeitszimmer’ ihres Mannes führte, vermeinte sie auf einmal Stimmen zu hören. Sie erschrak. Fast hätte sie einen Teller fallengelassen. In seinem Zimmer war alles dunkel. Sie setzte den Teller ab, kauerte sich nieder,  fühlte sich wie gelähmt und hin und her gerissen zwischen dem Drang wieder nach unten zu gehen und dem sie ängstigenden Bedürfnis zu lauschen. Stimmen? Das kann nicht sein, er ist allein! Wahrscheinlich spricht er im Schlaf, ja, das muss es sein: Ein Albtraum! Nun hörte sie deutlich klagende Laute, die sie in ihrer Vermutung bestärkten. Bestimmt schlief er schlecht, doch warum? Er schien doch mit seiner Heimarbeit ganz zufrieden. Oder hat er Schmerzen? Nunmehr war sie im Flur angelangt. Sie erkannte seine Stimme, doch auf einmal klang sie wieder ganz anders und fast so, als ob noch eine andere Person sprechen würde…Angst saß ihr im Nacken und kroch ihr langsam den Rücken hinab. Ein weiterer Blitz zuckte auf und erhellte die Nacht. Als der Donner verklang, konnte sie ihn wieder hören. Vorsichtig trat sie noch zwei Schritte näher. Sie überkam das Gefühl, als sei alles Blut aus ihrem Gesicht gewichen.