Paul  Baldauf

 

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Im Juni 2016 ist im Verlag Mediatrix mein neues Buch erschienen:

Juanito, der Bote von Guadalupe

 

Nachfolgend ein kleiner Textauszug:

Er schaute wieder zum Gipfel des Hügels Tepeyac, der nun vom Sonnenaufgang überstrahlt wurde und von wo der wunderbare Gesang seinen Ursprung nahm. Doch auf einmal verstummten all diese musikalischen Klänge und der Indio war noch erstaunter, als zuvor. Die Stille währte indes nicht lange, denn während Juan Diego noch unschlüssig war, ob er seinen Weg fortsetzen solle, hörte er zu seiner Überraschung, wie er von der höchsten Erhebung aus mit einer Stimme gerufen wurde, die überaus liebevoll-sanft und von unwiderstehlichem Liebreiz war:

„Juanito, Juan Dieguito!“

Der Indio raffte seinen Mantel zusammen, strich seine Tilma glatt und stieg, so schnell er konnte, nach oben. Kaum hatte er einige Meter zurückgelegt, rutschte er aus, fing sich wieder, kletterte wieder nach oben und nahm all seine Kraft zusammen, um schneller am Gipfel zu sein. Seltsam war ihm, dass er − nach diesem höchst ungewöhnlichen Ereignis − ganz ruhig und keinesfalls verwirrt war, vielmehr erfüllten ihn ein fröhliches Wohlbehagen und ein Frieden wie schon lange nicht mehr. Er spürte kaum noch den Boden, den Sand und Staub, von dem seine Füße bedeckt waren, noch die Mühe des Aufstieges, sondern nur noch den Wunsch, endlich zu sehen, wer ihn auf so angenehme und liebliche Art rief.

 

 


 

 

Am 28 Oktober 2015 ist im Verlag dip3 Bildungsservice GmbH mein neues Buch erschienen:

Wie ein Dieb in der Nacht

 

Kommissar Rehles war unwillkürlich einen Schritt zurückgewichen. Vor ihm stand ein Mann wie ein Baum. Groß, überaus kräftig, mit stämmigen Oberarmen und starkem Brustkorb, engem, schwarzem T-Shirt und langen, dicksträhnigen, schwarzen Haaren. Er trug ein schwarzes, spitzes Bärtchen und schaute ihn aus dunklen, beinahe stechenden Augen forsch an. Dann fuhr der Mann eine Hand aus, die man eher Pranke nennen müsste und drückte seinem Besucher fest die Hand. Kommissar Rehles biss sich auf die Lippe. Einen Händedruck hatte der!

„Herr Neiss?“

Er zückte seinen   Dienstausweis.

Siegbert Neiss schien hiervon überhaupt nicht beeindruckt.

„Steht vor Ihnen. Soll ich Ihnen jetzt meinen früheren Studentenausweis oder den Personalausweis zeigen?“

Der Übersetzer dirigierte den Kommissar aus Speyer wortlos mit einer Geste herein. Im Hintergrund hörte man Musik, die seinem Besucher nicht ganz geheuer war. Seltsame dunkle Laute, die eher nach Gebell und tierischen Lauten als nach Gesang klangen. Er verzog das Gesicht und rümpfte innerlich die Nase. Was glaubte dieser Neiss eigentlich? Bekommt Besuch von der Polizei und stellt noch nicht mal den CD-Player leiser!

Siegbert Neiss schloss die Tür hinter sich. Er deutete, wiederum wortlos auf einen ramponierten Sessel. Dann nahm er selbst Platz, schlug, in aufrechter Haltung, die Beine übereinander und sah den Kommissar fragend an, so, als erwarte er nun eine Erklärung…

Kommissar Rehles fielen auf seinem T-Shirt seltsame, fratzenhafte Zeichnungen auf: Gestalten, wie aus einer Geisterbahn entsprungen. Ein seltsamer Geruch lag in dem Zimmer. Wonach riecht es hier, fragte er sich, ohne eine Antwort zu finden.

„Wie ich am Telefon bereits angedeutet habe, geht es um Jan Silias. Sie sagten, sie kennen ihn.“

„Kannten ihn, meinen Sie wohl.“

Kommissar Rehles war überrascht von dem Tonfall, mit dem Neiss ihn korrigierte. Anteilnahme klang anders.